Lesetipp

Carola Moosbach: Ins leuchtende Du. Aufstandsgebete und Gottespoesie.
Herausgegeben von Bärbel Fünfsinn und Aurica Jax.
144 Seiten. 15 EUR.
EB-Verlag Dr. Brandt Berlin 2024. ISBN 978-3-86893-361-1

Als Kind hat Carola Mossbach unendlich unter den Erfahrungen von sexuellem Missbrauch und nicht endender Gewalt durch den Vater gelitten. Im Lauf ihres Lebens findet sie Worte für das Unerhörte. Sie entdeckt angesichts des kaum Sagbaren tastend, suchend eine ureigene Gebetssprache, anklagend, aufständisch, aber auch hoffnungs- und vertrauensvoll. Die 2021 herausgekommene Gebetssammlung mit dem Titel „Ins leuchtende Du“ ist eine Wiederauflage früherer theopoetischer Texte.
Inhaltlich kreisen sie um die Themen Angst, Schatten, Nacht und Gottesfinsternis, Rache und Verwüstung, aber es gibt auch immer wieder die helleren Töne von Trost, Ostern, Schönheit, Lob und Segen. Die ganze Wucht der unsäglichen Gewalterfahrung kommt in Schrei- und Störworten zum Ausdruck. Da werden Gott, Kirche, bürgerliche Welt schonungslos und ohnmächtig wütend entlarvt und angeklagt. Nur so, im Durchgehen solcher Gefühlslandschaften, erschließen sich allmählich immer wieder Wort-Wege hin zur Hoffnung, zu Sanftmut und dem Vertrauen, dass „das leuchtende Du“ im Gebet eine andere Färbung trägt als alle schwer beschädigte Vaterrhetorik.
Die Texte von Carola Moosbach sind ein existentielles Mäandern zwischen Anklage und Hingabe, zwischen Verlust und Zuversicht. Den Schmerz ins Wort bringen, jenseits von Sprachschablonen und glättenden Deutungen – die Gedanken und Gebete von Carola Moosbach berühren und hallen lange nach. 

Elisabeth Thérèse Winter