Liturgische Fundgrube
Design: Freya Huber
Magdalenengottesdienst: 7 Dämonen - 7 gute Geistesgaben
Instrumentalmusik zum liturgischen Einzug
Begrüßung
Herzlich begrüße ich Sie zu diesem Gottesdienst. Wir erinnern uns an sie als prominente Jüngerin Jesu und erste Verkünderin der Botschaft „Jesus lebt“. Ihr Zeugnis war grundlegend für den Auferstehungsglauben in der frühen Kirche. Und auch für uns heute ist sie die erste Zeugin, wenn es um diese zentrale Frage unseres Glaubens geht. Aber für uns Frauen ist sie noch mehr: Sie ist greifbares Beispiel dafür, dass Jesus seine Botschaft zuerst einer Frau anvertraut hat – gegen alle Konventionen und Widerstände seiner Zeit. Und sie ist uns Beispiel dafür, wie eine Frau diese Botschaft verkündete – auch das gegen alle Konventionen und Widerstände.
So kann sie Frauen ermutigen, die heute den Glauben leben und verkündigen – in der Familie, im Ehrenamt, als Gestalterinnen von Kindergottesdiensten, in der Kommunion- und Firmvorbereitung, als Religionslehrerinnen, als Gemeinde- und Pastoralreferentinnen, als Jugendseelsorgerinnen und als Referentinnen in der theologischen Erwachsenenbildung.
Liturgische Eröffnung
Wir beginnen diese Andacht im Namen Gottes, der Quelle unseres Lebens,
und im Namen Jesu Christi, der Maria Magdalena die Botschaft seiner Auferstehung anvertraute.
Möge die göttliche Geistkraft, die sie erfüllte, auch in uns spürbar werden. Amen.
Lied „Wie das ist“ von Kathi Stimmer-Salzeder aus dem Maria-Magdalena-Musical
Thematische Einführung mit Steinen als Symbol für 7 Dämonen
„Wie das ist, wenn die Seele weint, und sie findet einen Freund…“
So haben wir gerade gesungen.
Maria Magdalena – sie wusste, wie das ist.
Sieben Dämonen hat Jesus aus ihr ausgetrieben, als er ihr begegnete. Und dann blieb sie bei ihm, als seine Jüngerin…
Die Dämonenaustreibung – was müssen wir uns darunter vorstellen? Dabei ging es niemals um Bekehrung. Das ist eine Heilungsgeschichte.
Dämonen standen im damaligen Verständnis für Erkrankungen, vor allem für psychische Leiden oder Anfallsleiden. Niemals aber für Sünden. Eine Sünde begeht der Mensch aktiv, sie entsteht aus seiner Wahl zwischen Gut und Böse, Recht oder Unrecht, für oder gegen Gott. Ein Dämon aber befällt einen Menschen. Und der Mensch ist ihm ausgeliefert, kann sich nicht wehren. Deshalb kann der Dämon symbolisch für alles stehen, was über einen Menschen kommt und ihn leiden lässt.
Und die Zahl 7 steht in der jüdischen Zahlensymbolik für die absolute Fülle. Wenn im biblischen Kontext diese Zahl genannt wird, ist gemeint: Mehr geht nicht!
Sieben Dämonen - das ist das Schlimmste, was der menschlichen Seele passieren kann. Sie leidet so sehr, dass noch mehr Leid nicht mehr zu ertragen wäre.
An diesem Punkt ist die Frau aus Magdala, als Jesus ihr begegnet.
Was könnten ihre Leiden gewesen sein, die sie so niederdrückten?
Vielleicht waren es:
Minderwertigkeitsgefühle
Überforderung
Unterforderung
Bedrohung
Druck
Konkurrenz
Enttäuschung
(Begriffe, auf große Steine geschrieben, auf einem großen roten Tuch, gebreitet über Altarstufen, ablegen)
Sicher war Frauenleben damals zur Zeit Jesu anders als Frauenleben heute. Die Ursachen waren andere, die Umstände waren andere. Doch die Gefühle, die kennen wir wie die Frauen damals, die verbinden über alle Zeiten hinweg.
Tagesgebet
Lasst uns beten.
Du, Gott, willst als Freund und Freundin des Lebens,
dass unser Leben gelingt
und die Dämonen unserer Zeit keine Macht über uns haben.
Wir bitten Dich:
Gib uns ein Wort,
das uns hilft und heilt,
das uns nährt und befreit,
das uns stark macht und antreibt.
Das gewähre uns durch Jesus Christus.
Amen.
Lesung
Jes 11, 1-5
Lied
Halleluja-Ruf
Evangelium
Lk 8, 1-3
Halleluja-Ruf
Predigtgedanken
Was macht eine Seele so krank, dass wir sagen können: Mehr geht nicht? Und wie ist Heilung möglich? (Beispiele anführen)
Jesus wird in der Kunst bisweilen als „Arzt der Seelen“ dargestellt. Sein Heilmittel ist Zuwendung. Er hört zu, er fragt nach, er berührt, er handelt nur auf Wunsch. Er nimmt sein Gegenüber ernst. So kann er Schmerzen wandeln, Wunden heilen, Lebensmut schenken.
Das durfte Maria Magdalena erfahren. Jesus scheint ihr Potential erkannt zu haben. Sie wird zu einer Art herausragenden Musterschülerin, die versteht und umsetzt, was ihr Rabbuni, ihr Lehrer ihr als Aufgabe gibt.
Magdalena wird sie genannt, wahrscheinlich nach ihrem Herkunftsort Magdala. Doch dieser Beiname lässt sich übersetzen: nicht nur mit „die Magdalenerin“ (analog zu „die Münchnerin“), sondern auch mit „die, die ist wie ein Turm“, also im übertragenen Sinn „die Herausragende“. Vielleicht nur ein Zufall. Wir wissen es nicht. Doch der „sprechende Name“ passt hervorragend.
Und macht das Wunder groß: Aus der Frau, die – körperlich oder seelisch – ganz unten ist, am Tiefpunkt ihrer Existenz, wird eine Frau, die dasteht wie ein Turm: aufrecht, stark, überzeugend. Und die eine Botschaft verkündet, die selbst dem Tod den Schrecken nimmt. Dass ausgerechnet sie, die Dämonengeplagte, zur Verkünderin der Osterbotschaft wird, zeigt, was die Zuwendung Jesu vermag, was seine Seelsorge vermag. Viel können wir von Jesus lernen, wir können uns sein Wirken zum Vorbild nehmen, doch auch diese Magdalena, die die Botschaft ihres Lehrers weiterträgt, ist großes Vorbild: eine echte Apostelin.
Fürbitten
(Fürbitten zu den 7 Geistesgaben mit 7 beschrifteten roten Luftballons, die Sprecherin der Fürbitte hat den passenden Luftballon, hält ihn beim Sprechen hoch und nimmt ihn dann mit auf ihren Platz, nach jeder Fürbitte Liedruf)
Das Leben der Maria von Magdala wandelt sich durch göttliche Hilfe, als sie in großer Not ist. Den sieben Dämonen können sieben gute Geistesgaben Einhalt gebieten. In diesem Bewusstsein bringen wir nun vor Gott unsere Bitten.
- Vor Dich, unseren Gott, bringen wir die Nöte der Frauen, die als Alleinerziehende für ihre Kinder sorgen und ohne partnerschaftlichen Austausch weitreichende Entscheidungen treffen müssen.
Gib ihnen den Geist der Weisheit. - Wir bringen vor Dich auch die Nöte derer, die zu Suchtmitteln greifen, damit ihr Kummer erträglicher wird.
Gib ihnen den Geist der Einsicht. - Wir bringen vor Dich die Sorgen derer, die in Konfliktsituationen stecken und nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen.
Gib ihnen den Geist des Rates. - Wir bringen vor Dich die Nöte derer, denen die Kraft fehlt, sich Unrecht zu widersetzen.
Gib ihnen den Geist der Stärke. - Wir bringen vor Dich die Nöte derer, die sich selbst überfordern.
Gib ihnen den Geist der Erkenntnis. - Wir bringen vor Dich die Nöte derer, die das Staunen über die Wunder des Lebens verlernt haben.
Gib ihnen den Geist der Ehrfurcht. - Wir bringen vor Dich die Nöte derer, die in Krisenzeiten kein Glaube an Dich trägt.
Gib ihnen den Geist der Frömmigkeit.
Du Gott des Lebens,
durch die Gaben deines Geistes willst Du stärken und Leiden heilen.
Für Deine Zuwendung danken wir Dir. Lob und Preis und Ehre sei Dir – jetzt und alle Zeit.
Anleitung zum Spiel mit den Luftballons, dazu Musik (die Luftballons werden im Kirchenraum einander zugespielt, solange die Musik läuft).
Magdalenensegen
(mit gegenseitigem Rücken-Stärken: die rechte Hand sanft aufs linke Schulterblatt der Nachbarin legen)
Die Kraft Gottes, die in MARIA MAGDALENA wirksam wurde, stärke uns,
damit wir das Evangelium verkünden und durch unser Leben sichtbar machen.
Die Kraft Gottes, die in MARIA MAGDALENA wirksam wurde, stärke uns,
damit wir angesichts von Gewalt und Kriegen nicht resignieren,
sondern den uns möglichen Beitrag zum Frieden leisten.
Die Kraft Gottes, die in MARIA MAGDALENA wirksam wurde, stärke uns,
wenn uns Respekt verweigert und unsere Würde verletzt wird.
Die Kraft Gottes, die in MARIA MAGDALENA wirksam wurde, stärke uns,
wenn Krankheit und Leid, Zweifel und Angst unser Vertrauen und unsere Hoffnung schwächen.
Es segne uns Gott,
damit wir wie MARIA MAGDALENA in Beziehung zu Jesus unsere innere Freiheit finden
und aufrecht unseren Weg gehen – heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.
Schlusslied
Irmi Huber, Frauenseelsorge der Erzdiözese München und Freising