Fundgrube: Elemente für einen Gottesdienst zu Gen 19,1-11
Erarbeitet von einem ökumenischen Frauenliturgie-Team Augsburg
Hinführung
Wir haben heute eine wenig bekannte Stelle gewählt. Sie erzählt von Lot, der in der Stadt Sodom mit seiner Familie als Fremder lebt. Diese Episode stellt den Höhepunkt der sündhaften Verirrung von Sodom dar und erklärt, warum Gott das Gericht über diese Städte bringt. Der Text zeigt auf dramatische Weise die Verfehlungen der Menschen in Sodom und Gomorra, insbesondere in Bezug auf sexualisierte Gewalt und Gastfreundschaft.
Lot ist der Neffe von Abraham. Er begleitet Abraham auf seiner Reise nach Kanaan und trennt sich von ihm, als ihre Herden so groß werden, dass sie sich nicht mehr gemeinsam in einem Gebiet niederlassen können. Lot wählt das fruchtbare Tal von Sodom und Gomorra. Sie haben sicher schon von der Geschichte der späteren Zerstörung von Sodom und Gomorra gehört. Lot befindet sich bei unserer heutigen Bibelstelle beim Stadttor von Sodom und lädt besondere Gäste zu sich ein. Diese Gäste werden in der Regel als göttliche Boten gedeutet. Hören wir, was geschieht:
Lesung
Gen 19,1-11 wird vorgetragen
Aufstellung / Anspiel
Rollen: Lot, Dorfbevölkerung, Töchter, Gäste
Die verschiedenen Rollen sind erkennbar an Plakaten, die die Mitspielerinnen hochhalten und auf denen steht, wer sie sind.
Die inneren Bewegungen werden auch äußerlich vollzogen durch Veränderung der Stellung.
Lot:
Ich freue mich über Gäste, bin herzlich und gastfreundlich → Ich möchte unbedingt, dass sie bleiben und spannende Geschichten hören.
Ich weiß, was es bedeutet, fremd zu sein in einer fremden Stadt, schutzbedürftig zu sein.
Die Gastgeberrolle macht mir Freude.
Die Töchter stehen im Hintergrund.
Die Dorfbevölkerung ist noch nicht anwesend.
Die Gäste laufen langsam auf Lot zu.
Gäste:
Wir wollen keine Umstände machen.
Wir sind doch unkompliziert und genügsam → Der Platz draußen reicht!
Trotzdem: Wir bewundern Lot für seine Gastfreundschaft und Hartnäckigkeit.
Schön, dass wir ihm nicht egal sind → Das ist nicht selbstverständlich!
Gäste, Töchter und Lot stellen sich auf eine gemeinsame Seite hinter die „Grenze“ (Türe, ggf. im Raum kennzeichnen!).
Töchter:
So ist unser Vater: immer gastfreundlich.
Für uns ist das aber auch interessant, neue Menschen kennenzulernen – besonders hier in der Fremde.
Gerne wollen wir gute Gastgeberinnen sein, wie es unser Glaube sagt.
Dorfbevölkerung tritt auf und umstellt das Haus = umstellt die Gruppe mit Lot, Gäste und Töchtern.
Dorfbevölkerung:
Da sind Fremde, das macht uns Angst → Die wollen wir nicht!
Was erlaubt sich Lot als ein Migrant, irgendwelche Fremden hierher zu uns zu lassen?!
Die Fremden sollten wir auch ausnützen und unseren Spaß mit ihnen haben → Wenn Lot sie uns gibt, haben sie keinen Schutz.
Sie sind selber schuld: Sie haben sich hierher begeben.
Lot tritt über Grenze hinaus und stellt sich vor die Grenze (Tür) gegenüber von der Dorfbevölkerung.
Lot:
O je, so etwas hatte ich befürchtet → Fremde willkommen zu heißen, ist hier eine Provokation.
Ich möchte doch ein guter Gastgeber sein. Sie sollen das verstehen - gerade ich als Fremder!
JHWH hat uns doch gelehrt, in den Gästen auch immer ihn zu sehen → Denken die da nicht dran? Bedeutet ihnen der Glaube da nichts?
Ich hoffe, sie verstehen meine gute Absicht und nehmen sich ein Beispiel daran.
Puh - und was mache ich, wenn sie es nicht verstehen… Ich habe auch Angst vor ihrer Macht und Gewalt → Jetzt wird es eng!
- kurze Denkpause -
Was kann ich tun, damit sie mich und mein Haus mit den Gästen in Ruhe lassen? Was kann ich anbieten?
Sie wollen ganz offensichtlich Vergnügen – das einzige, was mir einfällt, sind meine beiden Töchter!
Bevor meinen Gästen etwas passiert, muss ich wohl die beiden schicken.
Meinen Töchtern kann ich dann nicht mehr helfen, sie muss ich ganz den Männern überlassen.
Ich muss doch ein guter Gastgeber sein, ihnen darf doch nichts passieren → JHWH will es doch so.
Töchter:
Ich kann nicht glauben, was ich da höre.
Sind wir etwa weniger wert als fremde Gäste?
Das ist nicht mehr unser Vater. Das hätten wir nicht erwartet.
Am liebsten würde ich jetzt laut schreien und ihm meine Meinung sagen.
Wir haben zu viel Angst vor diesem Mob der Männer, wir müssen weg.
Ich kann nicht glauben, wie die ganze Welt auf einmal zusammen bricht.
Die Töchter bewegen sich in maximaler Distanz weg von Lot.
Dorfbevölkerung:
Was bildet der sich eigentlich ein, entscheiden zu wollen, was hier passiert?
Der hat wohl noch nicht verstanden, wer hier die Macht hat. Das werden wir ihm zeigen!
Seine Töchter interessieren uns null. Die kann er behalten.
Er denkt wirklich: Er macht hier die Gesetze.
Wir wollen uns jetzt nehmen, was uns zusteht. Schließlich hat er die Fremden angeschleppt.
Der wird gleich spüren, wer hier das Sagen hat.
Die Dorfbevölkerung treibt Lot in die Enge.
Lot tritt einen Schritt zurück ins Haus.
Die Gäste stellen sich zwischen Lot und die Dorfbevölkerung.
Die Dorfbevölkerung irrt stumm umher.
Gäste:
Das war knapp! Wir wollten doch nicht, dass wegen uns so eine furchtbare Situation entsteht.
Unser Gastgeber hat sich für uns ganz schön eingesetzt.
Nur das mit den Töchtern ging gar nicht. Da ist eine Grenze erreicht.
Wir können gar nicht glauben, dass er mit das wertvollste – seine eigenen Töchter – einfach angeboten hat.
Das lässt sich nicht schönreden und das von jemandem, der sich als gläubiger Jude versteht.
Da mussten wir versuchen einzuschreiten.
Gott sei Dank ist es uns gelungen, und wir konnten das widerliche Handeln von allen Seiten beenden.
Leider wird diese furchtbare Situation bei allen Spuren hinterlassen, besonders bei den Töchtern.
Töchter:
Ist es tatsächlich vorbei? Kommen die Männer wirklich nicht rein?
Es fühlt sich an wie ein Alptraum. Niemals hätten wir gedacht, dass uns so etwas passieren kann.
Wir sind sprachlos und verletzt – fast wie betäubt.
Wie können wir uns je wieder sicher fühlen? Wie kann es sein, dass uns Frauen so etwas immer wieder passieren muss? Sind wir denn gar nichts wert?
Wir fühlen uns wütend und ohnmächtig. Wir schämen uns auch. Und manchmal kommt die Frage: Waren wir als Töchter nicht gut genug?
- Denkpause -
Was wäre passiert ohne unsere Gäste?
Vielleicht haben wir hier einen kurzen Moment Gott spüren dürfen. Nur warum greift Gott nicht öfter ein?
Schutzlosigkeit und Ohnmacht - und gleichzeitig soll da Gott sein: Wie passt das zusammen?
Wie wir jetzt noch mit unserem Vater umgehen sollen – keine Ahnung.
Kurz in Stille stehen bleiben - anschließend legen die Mitspielerinnen ihre Schilder ab und gehen zurück auf ihren Platz.
Handeln
Teelichter / Steine sind vorbereitet und werden nun in der Stille oder mit einem ausgesprochenen Stichwort
von den Teilnehmerinnen nach vorne / in die Mitte gebracht
Alles, was das Spiel ausgelöst hat, ist da.
Es folgen:
Fürbitten
Vater unser
Segen
Aufstellung / Anspiel erstellt von:
Ruth Hoffmann, Geistliche Beirätin KDFB Augsburg, Leiterin Fachbereich Prävention im Bistum Augsburg
Dr. Thérèse Elisabeth Winter, Referentin im Fachbereich Frauenseelsorge im Bistum Augsburg