Fundgrube: Gottesdienst mit Klageelementen zu Lk 18,1-8
Frei leben - ohne Gewalt
Erarbeitet von einem Team der Frauenseelsorge Passau
mit Studierenden der Fachakademie für Sozialpädagogik Passau der Deutschordensschwestern
Lied zur Eröffnung: z.B. "So wie ein Licht"
Begrüßung und Kreuzzeichen
Hinführung
- Ich stehe hier vor Ihnen mit einem Stein in der Hand. Dieser schwere Stein ist ein Zeichen dafür, dass das kein leichter Gottesdienst sein wird.
- Seit 2001 ruft TERRE DES FEMMES dazu auf, den internationalen Aktions- und Gedenktag „NEIN zu Gewalt an Frauen!“ am 25. November zu nutzen, um die Öffentlichkeit wachzurütteln und sich für ein weltweites Zeichen gegen Gewalt zu vereinen. Deshalb steht dieser Gottesdienst unter dem Thema: Ich soll mich nicht gewöhnen an Unrecht und Gewalt.
- Wir wollen einen Gottesdienst zusammen feiern, der der Klage über eigene Gewalt-Erfahrungen Raum gibt, der unseren Blick dahin lenkt, wo Gewalt geschieht, der uns unsere eigene Schuld an Gewalt bewusst werden lässt.
- Wir wollen in diesem Gottesdienst den Weg mit einer Frau aus der Bibel gehen, die Gewalt erfahren hat, die ihr Recht sucht und schließlich auch findet. Wir wollen unsere eigenen Schmerzen und unsere eigene Schuld mit dieser Frau vor Gott bringen und verwandeln lassen in Solidarität, Kraft und Mut.
Stein auf dem Altar ablegen
Klage-Litanei
Ungerechtigkeit und Gewalt gab es nicht nur zurzeit Jesu. Auch heute werden Menschen benachteiligt und unterdrückt. Im Gebet treten wir für sie ein und bringen sie gemeinsam vor Gott. Eine alte Gebetsform ist die Litanei. Sowohl Klage als auch Lobpreis lassen sich in ihr formulieren und gemeinschaftlich bekräftigen. Die Litanei, die wir jetzt miteinander beten werden, ruft Menschen in unsere Erinnerung, die unter Gewalt und Ungerechtigkeit leiden.
Zwischen den einzelnen Statements lasst uns immer gemeinsam sprechen: „Gott, höre unsere Klage!“
Ich höre Frauen klagen.
Verschiedene Stimmen:
- In unserem Betrieb werden Stellen gestrichen. Ich bin über 50 und war die erste, die gehen musste.
- Ich bin alleinerziehende Mutter. Mit allen Problemen stehe ich allein da.
- Ich verdiene weniger als meine männlichen Kollegen, obwohl ich dieselbe Leistung erbringe.
- Oftmals werde ich für dumm verkauft und bekomme zu hören: "Sei doch still, du verstehst ja doch nichts."
- Oft genug bin ich nicht mehr als eine Bedienstete. Ich muss um jeden Euro betteln. Das ist für mich so demütigend.
Wir sollen uns nicht gewöhnen an Unrecht und Gewalt!
Alle: Gott, höre unsere Klage.
Ich höre den stummen Schrei.
Verschiedene Stimmen:
- von Frauen, die vergewaltigt werden,
- von Frauen, die geschlagen werden,
- von Frauen, die unter falschen Versprechungen nach Deutschland kommen und zur Prostitution gezwungen werden,
- von Frauen, die umsonst auf unsere Solidarität warten,
- von Frauen, die in der Kirche keinen Zufluchtsort finden.
Wir sollen uns nicht gewöhnen an Unrecht und Gewalt!
Alle: Gott, höre unsere Klage.
Ich sehe vor mir das weltweite Kinderelend.
Verschiedene Stimmen:
- Kinder, die misshandelt und missbraucht werden,
- Kinder, die als billige Arbeitskräfte ausgenutzt werden,
- Kinder, die vom Krieg gezeichnet sind - sei es als Kindersoldaten oder als Minenopfer,
- Kinder, die zur Pornographie gezwungen werden,
- Kinder, die auf der Straße leben und niemanden haben, der sich um sie kümmert.
Wir sollen uns nicht gewöhnen an Unrecht und Gewalt!
Alle: Gott, höre unsere Klage.
Wir schauen weg.
Verschiedene Stimmen:
- wenn Jugendliche einen Schwächeren schlagen,
- wenn Schülerinnen und Schüler einen Mitschüler oder eine Mitschülerin über Wochen quälen,
- wenn eine alte Frau belästigt wird,
- wenn eine Muslimin wegen ihres Kopftuches angepöbelt wird,
- wenn ein Angestellter von Kollegen und Kolleginnen so lange gemobbt wird, bis er sich das Leben nimmt.
Wir sollen uns nicht gewöhnen an Unrecht und Gewalt!
Alle: Gott, höre unsere Klage.
Lied: z.B. "Wo kein Weg sich zeigt"
Gebet (gemeinsam)
Gott, wir kommen heute zu Dir als Schwestern und Brüder.
Wir bitten dich:
Gib uns Mut zur Verständigung und zur Zusammenarbeit – auch da, wo wir verschiedener Meinung sind.
Manchmal wissen wir nicht, was wahr und falsch, was gut und böse ist.
Gib uns Mut, nach deinem Willen zu fragen und unserem Gewissen zu folgen.
Sorgen und Ängste lähmen unsere Kraft.
Gib uns Mut, dass wir uns auf dein Wort verlassen und tun, was jetzt nötig und was jetzt möglich ist. Schenke uns die Kraft und den Mut, Unrecht zu benennen, Gewalt nicht hinzunehmen.
Schenke uns die Kraft und den Mut, unseren Mund und unsere Hände zu benutzen und hartnäckig gegen Unrecht und Gewalt einzutreten. Amen.
Schriftlesung: Lk 18, 1-8
Auslegung
Wer ist der Richter? Der Richter ist uns unsympathisch. Er verhält sich so, wie es in unserem Rechtsstaat eigentlich nicht vorkommt, denken wir zuerst. Der Richter ist ein Mann, der die Frau nicht wahrnehmen will. Er will nicht sehen, dass ihr Unrecht geschehen ist.
Stimme aus dem Hintergrund:
Wer bist du schon?
Dir hört doch keiner zu!
Was du denkst, interessiert niemanden!
Der Richter will der Frau nicht zu ihrem Recht verhelfen, ihr geschieht doppelt Unrecht. Denn da ist jemand, der sie um ihr Recht bringt, und der Richter, der ihr helfen sollte, hört ihr nicht einmal zu! Er denkt nur an sich selbst.
Stimme aus dem Hintergrund:
Sie ist nur eine Frau, die brauche ich nicht anzuhören.
Sie weiß ja gar nicht genau, um was es eigentlich geht.
Auch wir heute erleben den Richter. Denn auf ganz unterschiedliche Art und Weise steckt er in mir und in dir. Der Richter kann der Freund sein, der auf jedes Problem sofort eine Antwort weiß und glätten und beschwichtigen will.
Stimme aus dem Hintergrund:
Die dramatisiert doch alles nur, das kann doch nicht so gewesen sein.
Bei uns kommt so etwas nicht vor!
Der Richter kann die Frau sein, die die Schuld nur beim Opfer sieht.
Stimme aus dem Hintergrund:
Es glaubt dir sowieso niemand.
Dieser Mann tut doch so etwas nicht!
Bestimmt ist alles deine Schuld!
Der Richter kann die Tochter sein, die ihre Mutter nicht verstehen will.
Stimme aus dem Hintergrund:
In ihrem Alter, wie kann sie es wagen, sich so zu benehmen?
Es ist mir peinlich, wie sie sich anstellt.
Der Richter kann der Mensch sein, der auch offensichtliche Gewalt nicht an sich heranlassen will. Er kann der Mann und die Frau sein, die lieber die Augen verschließen.
Stimme aus dem Hintergrund:
Was sie da erzählt, das klingt so ungeheuerlich, das will ich nicht hören!
Was da passiert, das will ich nicht sehen!
Das stellt alles auf den Kopf, das kann ja nicht wahr sein!
Der Richter kann in meinem eigenen Kopf stecken. Dann, wenn ich nicht den Mut habe, Gewalt, die mir angetan wird, als Unrecht zu benennen und mich zu wehren.
Stimme aus dem Hintergrund:
Ich traue mich nirgendwo hin.
Niemand spürt meine Angst, keiner wird mir zuhören!
Wohin kann ich gehen mit meiner Not??
Lied: z.B. „Richte uns auf“
Psalmgebet im Wechsel: Ps 52,3-11
Lied: z.B. „Dein Wort ist Licht auf meinem Weg“
Akklamation
Steht auf, Frauen und Männer, und überwindet eure Angst.
Steht auf, Frauen und Männer, schaut hin und handelt.
Steht auf, Frauen und Männer, unterstützt die Mutlosen.
Steht auf, Frauen und Männer, und wehrt euch.
(Nach jedem Satz wird eine Kerze angezündet)
Vater unser
Segensgebet
Lied: z.B. „Der Herr segne dich“